Call for Papers

         

Vom 28.09.2027 bis 01.10.2027 lädt die DGFF ein, sich an der Georg-August-Universität Göttingen über sprachliches Lernen (in) der Zukunft auszutauschen. 

Wie blicken wir als Fremdsprachenforscher:innen, Lehrer:innen und Akteur:innen der Bildungsplanung in Szenarien der Zukunft? Wie gehen wir in unseren Disziplinen mit Ungewissheit, multiplen Krisen wie Demokratiegefährdung, Erstarkung autokratischer Systeme und den damit verbundenen Rücknahmen progressiver Errungenschaften des Bildungswesens um?

Dieses Nachdenken bewegt sich zwischen dystopischen und utopischen Szenarien, solchen, in denen Sprachen manipulativ eingesetzt werden, manche Sprachen verschwinden oder in denen sprachliches Lernen bildungspolitisch marginalisiert wird. Gleichzeitig umfasst es hoffnungsvolle Perspektiven, in denen Sprachen Beziehungen stiften und neue, potenziell bessere Welten schaffen können.

Bildung und Erziehung – und damit auch sprachliches Lernen – sind per se zukunftsgerichtet: bildungstheoretische Ansätze orientieren sich an Annahmen über die Zukunft. Mit der Hoffnung auf eine global gerechtere, gesündere und friedlichere Zukunft hat die UNESCO mit der futures literacy den Nachhaltigkeitszielen ein entsprechendes Konzept an die Seite gestellt. Bilder und Narrative der Zukunft verstehen und selbst ausgestalten zu können, sind im Kern sprachliche Fähigkeiten: Sie umfassen das Verstehen sprachlicher und anderer Zeichensysteme, interdisziplinäres Wissen sowie eine kritisch-transformative Praxis.

Zugleich sind unsere Lebenswelten das Ergebnis historischer und kultureller Entwicklungen, die Kontexte für sprachliche Bildung mitbestimmen – und auch immer anders hätten verlaufen können.

Kritische Perspektiven aller Disziplinen, die sprachliche Lernprozesse gestalten und erforschen, ermöglichen die Offenlegung von Strukturen gelungener oder verhinderter sprachlicher Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit. Und sie können Alternativen aufzeigen, wie es auch anders sein könnte.

Aus der Vergangenheit heraus und in die Zukunft hinein zu denken führt uns zur Befragung der Gegenwart sprachlichen Lernens: Welche Fragen unserer Disziplinen haben sich verdichtet, was ist in den Hintergrund geraten und welche neuen Felder werden aktuell erschlossen? In Verbindung mit der zeitlichen soll beim Kongress auch die räumliche Dimension von Sprachenlernen fokussiert werden. In den Perspektiven schulischen, außerschulischen sowie professionsbezogenen Lernens soll der Kongress einen Rahmen bieten, aktuelle Lehr-/Lernkontexte neu zu denken und es ermöglichen, die Kontexte als zeitlich, räumlich und sozial bedingt zu verstehen und weiter zu bearbeiten. Die Kontexte gehen über institutionelle Lernräume wie Schulen und Universitäten hinaus: Wie lassen sich (neue) Räume erschließen, gestalten und in ihrem Beitrag für das sprachliche Lernen verstehen? Dabei gelangen materielle und digitale Räume in den Fokus unserer Interessen sowie die Art und Weise, wie Menschen in und mit diesen Räumen kommunizieren und lernen.

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Das Anliegen der Tagung ist, die Zukunft sprachlichen Lernens im Plural zu denken – als Zukünfte der am Lernen beteiligten Akteur:innen, Räume und Institutionen.

 
Zentrale Fragen und Perspektivierungen der Tagung schließen entsprechend ein:

Wie gestalten sich Zukünfte des Lernens aus den Perspektiven von Schüler:innen traditionellen Fremdsprachenunterrichts, von Lernenden in außerschulischen Zusammenhängen der Sprachenbildung (z.B. ‚Deutsch als weitere Sprache‘) sowie weiteren Adressat:innen sprachlicher Lernangebote?

Welche konzeptionellen Anliegen sprachlichen Lernens erscheinen aktuell und zukünftig prioritär? In welchen Räumen, mit welchen Medien und in welchen didaktisch-methodischen Settings werden sie realisierbar?

Welche Veränderungen gestalten Lehrpersonen in welchen Lehr-/Lernkontexten und wie kann ihre Professionalisierung weitergedacht werden?

Welche bildungspolitischen Implikationen und Weichenstellungen für zukünftige Forschungsschwerpunkte leiten wir aus den aktuellen Entwicklungen gesellschaftlicher, politischer und klimatischer Problemlagen her?

Zentrale Achsen für die Einreichungen von Beiträgen zum Kongress sind die Folgenden:

Achse A: Sprachtheorien und Theorien des Spracherwerbs: Angesprochen sind hier sowohl soziokulturelle und interaktionistische Theorien der Sprachaneignung, praxistheoretische und sozialkonstruktivistische Perspektiven, die Sprache in sozio-historischen Kontexten verorten, ergänzt durch neuere kognitionspsychologische Ansätze der Erwerbsforschung. Mehrsprachigkeit wird individuell und gesellschaftlich zunehmend zum Normalfall sprachlicher Praxis. Wie nähern wir uns den unmittelbaren Fragen zu Erwerbs- und Lernprozessen sowie den mittelbaren, auf soziale Kontexte bezogenen Fragen zum Mehrsprachengebrauch? Wie finden diese Fragen Eingang in bildungssystemische Zusammenhänge?

Achse B: Räume und Kontexte der Sprachaneignung: Schulisches und außerschulisches Lernen neu zu denken, stellt institutionelle Traditionen sprachlichen Lernens in Frage. Dies bearbeitet bzw. verschiebt Grenzen geografisch-territorialer, architektonischer sowie (post-)digitaler Räume. Wie kann Kommunikation in Lebenswelten, die längst eine Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Welt überwunden haben, konzeptionell gedacht werden? Wie lassen sich dabei sprachliche Praktiken, die menschliche und nicht-menschliche Elemente integrieren, beschreiben, verändern und erforschen? Wie verhalten sich menschliche Körper in und zu diesen Umwelten?

Achse C: Welten des ‚Als-ob‘: Simulationen, Planspiele, aber auch literarische, multimediale Produktion, Arbeiten in bildender und darstellender Kunst, Musik und Performance können Welten entwerfen, die mit gesellschaftlichen Utopien eines alternativen sozialen Miteinanders experimentieren. Welchen Umgang mit Ungewissheiten halten verschiedene Ausdrucksformen und ihre mediale Verfasstheit bereit? Wie materialisieren diese Räume Sprache und wie werden hier neue Bedeutungen menschlicher Kommunikation generiert? Wie verhalten sich diese Szenarien zu traditionellen Unterrichtsszenarien und ihrer Repräsentation außerunterrichtlicher Kommunikation?

Achse D: Methodologien für die Erforschung komplexer Aneignungsprozesse: Welche empirisch und theoretisch-konzeptionell orientierten Methoden erscheinen angemessen, sprachliches Lernen in seiner Komplexität und in den vielfältigen Ökologien von Aneignungsprozessen zu erforschen? Wie werden etablierte Forschungsstrategien und -instrumente vor der Notwendigkeit, Ungewissheit und Zukünfte mitzudenken, herausgefordert und durch neue Verfahren erweitert? Welche Rollen spielen partizipative und kollaborative Forschungsformate für zukunftsorientierte Beschäftigungen mit sprachlichem Lernen?

Die Formate der Tagung sehen verschiedene Arten des Austauschs vor:

Sektionsarbeit: Forschungsarbeiten und -projekte mit dem Schwerpunkt auf einer Präsentation von Ergebnissen. Die Sektionen werden basierend auf den Einreichungen konstituiert und orientieren sich an den zentralen thematischen Achsen mit neuen Akzenten und Schwerpunkten, die sich aus den Abstracts ergeben.

Freie Formate: Gemeinsame Annäherung an emergente Themen, Vernetzung und kooperative Diskussionen durch Methoden und Verfahren der Zukunftsforschung – wie beispielsweise Zukunftswerkstätten, Reallabore, Aktionslabore oder Future Thinking. Eingeladen zur Einreichung sind bestehende Netzwerke und Forschungsgruppen zur Fortführung ihrer Arbeit sowie auch Beiträge zur Eröffnung neuer Kooperationen.

Poster: Präsentation von laufenden Forschungsprojekten, die thematisch und forschungsmethodologisch innovativ sind und mit ersten Ergebnissen bei den Postersessions diskutiert werden.



Die Abstracts

… enthalten Name des/der Beitragenden und einen Titel

… umfassen maximal 300 Wörter exklusive Literaturangaben

… nehmen Bezug auf das Tagungsthema und die Leitfragen

… verorten sich in einer der Achsen (A-D) oder formulieren Vorschläge für weitere Achsen

… kennzeichnen das Format des Beitrags (Sektionsvortrag, Freies Format oder Poster)



Kriterien der Begutachtung

Die Abstracts werden doppelt blind begutachtet hinsichtlich

… Passung zum Tagungsthema und Nachvollziehbarkeit des Vorhabens

… Kohärenz und Plausibilität des theoretischen Rahmens

… Passung von Fragestellung, Ziel und Methode

… Klarheit und Qualität der Daten und ihrer Analyse (bei empirischen Arbeiten)

… Klarheit der Argumentation und des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns


Es sind pro Autor:in maximal zwei Einreichungen möglich, sei es als Einzelbeitrag, sei es in einer Gruppenkonstellation. Zwei Einreichungen sollen zudem zwei verschiedene Formate abdecken.

Für die Leitung der aus den eingereichten Abstracts thematisch zusammengestellten Sektionen sowie freien Formate werden Verantwortliche gesucht. Ihre Bereitschaft eine Sektionsleitung oder ein freies Format (existierende oder neu konstituierte Netzwerke und Gruppen) zu übernehmen, können Sie bei der Einreichung von Beitragsvorschlägen im ConfTool oder unabhängig davon per E-Mail (dgff2027@uni-goettingen.de) signalisieren.

 

Zeitplan:

01.06. – 15.09.2026:                         Einreichung der Abstracts via ConfTool

15.09. – 15.12.2026:                         Begutachtung der Abstracts                

15.12.2026:                                        Rückmeldung zur Annahme der Abstracts

15.01.2027:                                        Einreichung überarbeiteter Abstracts

01.04.2027:                                        Beginn der Einschreibung für Frühbucher:innen

01.06.2027:                                        Bekanntgabe des Programmablaufs und reguläre      

                                                             Anmeldung (bis 10.09.2027)



ConfTool: www.conftool.pro/dgff2027 


E-Mail: dgff2027@uni-goettingen.de