Sektion 4

Mehrsprachigkeit, plurikulturelle Identitäten und Digitalisierung

Prof. Dr. Daniel Reimann (daniel.reimann(at)uni-due.de

Elisabeth Chowanetz (elisabeth.chowanetz(at)uni-wuerzburg.de)

 

Die Nutzung digitaler Medien beeinflusst durch soziale Medien, Apps, Chatrooms oder Musik- und Videoportale alltägliche Kommunikationspraktiken: Ihre globale Bekanntheit und Verfügbarkeit eröffnen und befördern neue Möglichkeiten zur Anbahnung von Sprechakten, die auch zur Pflege von Erst- bzw. Herkunfts-, Zweit- und Fremdsprache(n) genutzt werden können. Dieser Umstand bleibt in der Schule jedoch noch vielfach ungenutzt (Ekinci/Güneşli 2016). Zugleich ist festzustellen, dass in den sich zunehmend als Migrationsgesellschaften konstituierenden Gebieten Mittel- und Westeuropas die „multilinguale Schule“ (Gogolin 2008) längst Realität ist. Es sind immer mehr Herkunftssprecher/innen im Unterricht präsent, die weitere Erst- bzw. Familiensprachen neben und ggf. außer dem Deutschen als Lernvoraussetzung in den Unterricht mit einbringen.

Im Companion des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen wurde dem als neuartig wahrgenommenen Trend Rechnung getragen, indem die Plurilinguale und die Plurikulturelle Kompetenz nicht nur als eigenständige Instanz implementiert, sondern auch durch Deskriptoren diversifiziert wurde (vgl. Europarat 2018).

Dem Desiderat, die Aspekte ´Digitalisierung´ und ´Mehrsprachigkeit´ bezogen auf den Fremdsprachenunterricht zu vereinen, möchte die Sektion begegnen, indem sie die Forschenden dazu aufruft, das Potenzial auszuloten, das sich aus der Nutzung digitaler Medien in sprachlich heterogenen Lerngruppen für die Ausbildung und die Förderung fremdsprachlicher funktionaler kommunikativer Kompetenzen, plurikultureller Identitätsbildung und der Medienbildung ergibt. Es gilt, einerseits zu ergründen, inwieweit die Schüler/innen von mehrsprachigen digitalen Ressourcen Gebrauch machen, und Konzepte zu entwickeln, wie diese ins Unterrichtsgeschehen integriert werden könnten, andererseits ergibt sich hier Potential für die Entwicklung multipler mehrsprachiger Interaktion, die im Fremdsprachenunterricht weitgehend ein Novum ist (exemplarisch vgl. Reimann/Siems 2015).

Vor diesem Hintergrund will die Sektion an der Schnittstelle von Mehrsprachigkeit und Digitalisierung u. a. folgenden Fragekomplexen nachgehen:

  • Analyse der Eigenschaften und des Lernpotenzials von bes. auch multimedial gestützten mehrsprachigen Lernergesprächen
  • Analyse plurikultureller Identitäten und Wegen plurikultureller Identitätsentwicklung
  • Potenzial der Digitalisierung für den Erwerb plurilingualer und plurikultureller Kompetenzen
  • Beitrag der Alten Sprachen und der Modernen Fremdsprachen bei der Entwicklung plurilingualer Kompetenzen über digitale Medien
  • Rolle digitaler Medien im multilingualen Sachfachunterricht
  • Rolle digitaler Medien in der Mehrsprachigkeitsdidaktik

 

Angebote für Vorträge in den Sektionen werden bis zum 15. Dezember 2018 an die Sektionsleitung erbeten. Bitte senden Sie einen kurzen, aussagekräftigen Abstract von ca. 250 Wörtern (Fließtext) in einer Word-Datei samt Ihrer Angaben (Name, Institution, Email-Adresse) an die oben genannten Email-Adressen. Eine Rückmeldung erhalten Sie im Januar 2019.

 

Bibliographie

Abendroth-Timmer, D. (2007): Akzeptanz und Motivation: Empirische Ansätze zur Erforschung des unterrichtlichen Einsatzes von bilingualen und mehrsprachigen Modulen, Frankfurt am Main: Lang.

Burwitz-Melzer, E. et al. (Hrsg.) (2014): Perspektiven der Mündlichkeit. Arbeitspapiere der 34. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts, Tübingen: Narr.

Drew, P. (2005): Conversation analysis, in Kristine L. Fitch, Robert E. Sanders (Hrsg.): Handbook of language and social interaction, Mahwah, N.J.: Erlbaum, 71–102.

Ekinci, Y./Güneşli, H. (2016): Mehrsprachigkeit im Alltag von Schule und Unterricht in Deutschland: eine empirische Studie, Tübingen: Narr.

Europarat (2018): Common European Framework of Reference for Languages: Learning, Teaching, Assessment. Companion Volume with New Descriptors. [https://rm.coe.int/cefr-companion-volume-with-new-descriptors-2018/1680787989 letzter Zugriff am 24.06.2018]

García García, M. (i.D.): Interaktionskompetenz im Fremdsprachenunterricht: Probleme, Möglichkeiten und Perspektiven am Beispiel des Französischen und des Spanischen, Zeitschrift für Romanische Sprachen und ihre Didaktik, 10/1, 93-120.

Göbel, K., Vieluf, S. (2014): The effect of language transfer as a resource of instruction, In: Grommes, P./Hu. A. (Hrsg.): Plurilingual Education. Policies - practices - language development. (Hamburg Studies on Linguistic Diversity 3). John Benjamins Publishing Company: Amsterdam/ Philadelphia, 181-195.

Gogolin, I. (2008): Das monolinguale Habitus der multilingualen Schule, Münster: Waxmann.

Königs, Frank G. (1991): Auf dem Weg zu einer neuen Aera des Fremdsprachenunterrichts? Gedanken zur postkommunikativen Phase in der Fremdsprachendidaktik, Taller de letras, 19, 21-42.

Meißner, F.-J., Reinfried, M. (Hrsg.) (1998): Mehrsprachigkeitsdidaktik. Konzepte, Analysen, Lehrerfahrungen mit romanischen Fremdsprachen. Tübingen: Narr.

Reimann, D., Siems, M. (2015): Herkunftssprachen im Spanischunterricht - Sprachmittlung Spanisch - Türkisch - Deutsch, Der fremdsprachliche Unterricht Spanisch 51, 33-43.