Der Prozess der Globalisierung trifft alle Gesellschaften auf vielfältige und jeweils unterschiedliche Weise: wirtschaftlich, politisch, kulturell und sprachlich. Mobilität und Migration werden weltweit zum alltäglichen Phänomen und führen zu Pluralität, Hybridisierung und Nivellierung. In vielen Lebensbereichen ist innovatives Denken erforderlich.
Das Lernen und Lehren von Sprachen wird durch diese Prozesse grundlegend beeinflusst. Zwei- und Mehrsprachigkeit sind nicht mehr nur Ziel, sondern längst auch Voraussetzung schulischen Sprachunterrichts; die Leitformel des native speaker rückt zugunsten des intercultural speaker in den Hintergrund, sprachliche Erwerbs- und Lernprozesse greifen mehr denn je ineinander, die Ausbildung mehrsprachiger und mehrkultureller Identitäten wird zum Normalfall und schlägt sich schon in Schulprofilen und Unterrichtskonzepten nieder. Neben dieser gestiegenen Komplexität und Vielfalt sind aber auch weltweite Angleichungsprozesse zu beobachten: So gewinnt der Europäische Referenzrahmen für Sprachen nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Kontinenten zusehends an Bedeutung, Methoden wie z. B. task-based learning werden universell transportiert, Weltsprachen dominieren die Stundentafeln und das „global coursebook“ scheint nicht mehr fern. Die Auseinandersetzung um den Sprachunterricht von morgen spielt sich wesentlich im Spannungsfeld zwischen weltweiten Angleichungstendenzen einerseits und lokalen Diversifizierungskräften andererseits ab.
Der 24. DGFF-Kongress möchte mit dem Motto
Forschungsarbeiten zusammenführen, die Sprachlernen und -lehren bewusst im Kontext von Globalisierung und Migration und den damit einhergehenden Herausforderungen in den Blick nehmen. Dies soll in spracherwerbstheoretischer, sprachpolitisch-historischer, methodischer und curricularer Perspektive geschehen. Auch die Herausforderungen an eine zukunftsorientierte Lehrerbildung sowie die Anforderungen der internationalen Wirtschaft an mehrsprachige und interkulturelle Kommunikation werden einen besonderen Stellenwert haben.
Wir wünschen uns, dass der Kongress vielfältige Anregungen für zukünftiges Lernen und Lehren von Sprachen liefert, aktuelle Entwicklungen theoretisch und empirisch beleuchtet und zu innovativen Forschungsfragen motiviert.


